Chronik

Chronik der Feuerwehr Niederhörlen

Durch immer größere und schlimmere Brände wurde es erforderlich, einen organisierten Brandschutz aufzubauen. Deshalb bildeten im Jahre 1854 neun Ortschaften im Breidenbacher Grund einen Löschverband, zu dem auch Niederhörlen gehörte.

Nieder- und Oberhörlen beantragten im Jahre 1855, eine Feuerspritze für ca. 600 Gulden anzuschaffen, die für den Brandschutz der beiden Gemeinden beitragen sollte.

Da im Jahre 1910 die Wasserleitung für Niederhörlen gebaut wurde, konnte man einen Hydrantenwagen anschaffen, der 1935 noch durch eine Motorspritze ergänzt wurde.

Ende 1933 wurde dann ein Gesetz erlassen welches die Bildung von Freiwilligen Feuerwehren ermöglichte.

Nachdem sich die Gemeinde darin einig war, dass der Brandschutz bei einer freiwilligen Feuerwehr besser gewährleistet sei als bei einer Pflichtfeuerwehr, entschloss  man sich am 27. Dezember 1935, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen.

Nach § 11 der Satzung wurden am 27.12.1935 die Mitglieder der Feuerwehr mit Einverständnis der Ortspolizeibehörde zu einer Sitzung eingeladen.

Zum Führerrat wurden gewählt:

Wehrführer              Adolf Geil

Stellv. Wehrführer   Friedrich Metzler

Schriftführer und    Rudolf Krug

Kassenwart

Gerätewarte             Emil Blöcher

                                 Gottlieb Reichel

                                 Wilhelm Müller

                                 Alfred Meissner

Die damals anwesenden 19 Mitglieder beschlossen dass bei Nichterscheinen zu einem Löscheinsatz oder einer Übung ein Strafbeitrag von 0,10 – 0,20 RM zu entrichten sei.

Am 19. Juli 1936 nahm die Wehr erstmals an dem Kreisfeuerwehrtag in Holzhausen teil.

„Auszug aus dem Protokollbuch des Wehrführers Adolf Geil vom 26.03.1945:

Am 26.März 1945 wurde unser Dorf um 16.50 Uhr von 4 amerikanischen Tieffliegern angegriffen und mit Bordwaffen beschossen und zugleich der alte Friedhof mit 2 Bomben belegt. Es standen sofort 5 Scheunen in Brand, zwei weitere Brände konnten im Entstehen gelöscht werden. Es brannte die Scheune von Otto Röder und die über dem Kuhstall befindlichen Futterräume des Georg Bäcker, sowie die Scheuen des Reinhard Schwarz, Georg Seibel und Heinrich Seibel.

Die Brände in den Scheunen des Adam Schwarz und Adolf Geil kamen durch sofortiges Eingreifen nicht zur Entwicklung. Die Motorspritze wurde bei der Wasserentnahmestelle unter der Werkstatt des Stellmachers Emil Blöcher aufgestellt und ging zugleich gegen drei Brandstellen vor. Der erste Angriffstrupp ging an das Feuer bei Otto Röder, der zweite Angriffstrupp an das Feuer bei Georg Bäcker vor, der dritte Angriffstrupp richtete sich gegen den Brand bei Reinhard Schwarz.

Die Hydrantengruppe entnahm das Wasser aus dem Hydranten auf der Straße vor der Wohnung des Georg Seibel. Der erste Angriffstrupp bekämpfte das Feuer bei Georg Seibel, der zweite Angriffstrupp griff das Feuer bei Heinrich Seibel an. Bis zum Eintreffen der Nachbarwehren wurden sämtliche Brände auf ihren Herd beschränkt, so dass man nun ein Übergreifen des Feuers auf Wohn- und Nachbargebäude verhindern konnte. Bei eintretender Dunkelheit konnten die Nachbarwehren wieder abrücken. Die örtliche Feuerwehr übernahm die Brandwache.

Von den Nachbarwehren waren eingetroffen Oberhörlen und Oberdieten, die sogleich die örtliche Motorspritze unterstützten. Von den Nachbarwehren Niedereisenhausen und Gönnern wurde die Hydrantengruppe mit deren Motorspritze unterstützt.

Bei dieser Gelegenheit hat sich die Elfriede Böcher, welche der Mädchengruppe der Feuerwehr Niederhörlen angehörte, ein besonderes Lob erworben, indem sie sofort zum Transformatorenhaus lief und den Strom ausschaltete.

gez. Geil, Haupttruppenführer“

Nach Kriegsende ging die Arbeit in der Feuerwehr nur schleppend voran, so dass 2 Jahre lang kein Wehrführer zur Verfügung stand. Im Jahre 1949 übernahm dann Helmut Weigel das Amt des Wehrführers und leitete dies bis 1963. Zu seinem Nachfolger wurde am 1. Mai 1963 Günter Röder ernannt. Die darauf folgenden Jahre brachten für die Feuerwehr Niederhörlen eine starke Aufbauphase. So wurde im Jahre 1968 von der Gemeinde Niederhörlen durch Fürsprache von Helmut Metzler beim Kreis ein TSF beschafft, wodurch die Arbeit der Feuerwehr erheblich gefördert wurde.

Durch die Gebietsreform im Jahre 1972 entstand aus den Gemeinde Niederhörlen, Oberhörlen, Niedereisenhausen und Obereisenhausen die Groß-gemeinde Steffenberg. Die Gemeinden Quotshausen und Steinperf schlossen sich später noch an. Durch den Zusammenschluss war es nun möglich, die Ausrüstungsgegenstände gezielter zu verbessern und zu modernisieren.

Am 1.07.1978 wurde dann die langersehnte Jugendfeuerwehr gegründet, die damals einen Mitgliederstand von 17 Personen hatte. Durch die Hilfsbereitschaft der Gemeinde konnte noch im gleichen Jahr die nötige Schutzkleidung beschafft werden. Anlässlich eines Zimmerbrandes in Niederhörlen, erkannte die Gemeinde, dass es dringend notwendig sei, Atemschutzgeräte für alle Ortsteile anzuschaffen. Noch im gleichen Jahr wurden 12 Geräte beschafft, wovon Niederhörlen 3 Geräte bekam.

Da die Unterbringung der Feuerwehr in dem alten Gerätehaus sehr mangelhaft und schlecht war (keine Heizung), überlegte man, ein neues Gerätehaus zu bauen. Dieser Bau konnte schon 2 Jahre später in Angriff genommen werden, da sich die Mitglieder der Feuerwehr verpflichteten, fast alle Arbeiten in Eigenleistung durchzuführen. Am 6. August 1983 war es dann soweit, dass die Feuerwehr im Rahmen einer Einweihungsfeier das neue Gerätehaus beziehen konnte.

Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte waren die Festlichkeiten zum 50jährigen Bestehen im Sommer 1985.

Mit der Anschaffung eines VW-Busses, welcher in Eigenleistung zum Mannschaftstransporter und Einsatzleitfahrzeug umgebaut wurde, trug man der guten personellen Ausstattung der Einsatzabteilung Rechnung. Da die Arbeit der Feuerwehren allgemein immer mehr aus technischen Hilfeleistungen besteht, rüstete man, ebenfalls in Eigenleistung, einen Anhänger mit den entsprechenden Gerätschaften aus. Diese beiden Fahrzeuge konnten am 31.10.1989 offiziell in Dienst gestellt werden. Ein langgehegter Wunsch unserer Wehr ging 1989 in Erfüllung. Im Oktober konnte man ein nagelneues TSF bei der Firma Ziegler in Empfang nehmen.

Im Gerätehaus war es inzwischen zu eng geworden, mit Unterstützung der Gemeinde begann man im April 1991 mit den Arbeiten zu einem Anbau an das Gerätehaus. Diese Arbeiten wurden „natürlich“ wieder in Eigenarbeit durchgeführt. Nach etwa 19 Monaten Bauzeit wurde im November 1992 das neue Gebäude zünftig eingeweiht.

Im Jahre 1993 konnte die Jugendfeuerwehr, die inzwischen aus 16 Jungen und Mädchen bestand, auf ihr 15jähriges Bestehen zurückblicken. Dieses Ereignis wurde mit einigen befreundeten Jugendwehren und vielen Gästen gebührend gefeiert.

Ausschließlich aus Spendengeldern finanziert, wurde der Kauf unserer Standarte, die im Mai 1994 gemeinsam mit der ebenfalls neuen Standarte des Männergesangvereins, im Rahmen einer Feierstunde in Dienst gestellt wurde.

Unsere Einsatzabteilung erreichte im Jubiläumsjahr 1995 einen neuen Höchststand. Sie bestand aus 27 Personen. Damit war sie allerdings auch an ihre Obergrenze gestoßen, so dass ein Aufnahmestop erfolgen musste. Neue Aufgaben für die Zukunft hatte man sich auch schon gestellt. So wurde mit der Fällung der Linde am Gerätehaus ein neuer Bauabschnitt begonnen.

Der erneute Anbau an das bestehende Gebäude wurde diesmal nicht nur in Eigenleistung erledigt, sondern der Verein bezahlte auch noch die Materialkosten um das Bauwerk durchführen zu können.

Wichtigstes Ereignis in 1995 war jedoch die Ausrichtung des 60-jährigen Geburtstages der Feuerwehr Niederhörlen, verbunden mit dem Kreis-feuerwehrtag des Landkreises Marburg-Biedenkopf vom 22. – 26. Juni .  Begonnen wurde dieses Fest schon am Donnerstag mit der Kranznieder-legung am Ehrenmal, gefolgt vom Freitag mit einer HR3 Zeltdisco, am Samstag erfolgte der Festkommers und die Dienstversammlung im Bürgerhaus Steffenberg und am Sonntag fand der Höhepunkt der Veranstaltung statt. Einhundertdreißig Feuerwehren und Vereine beteiligten sich am Festzug durch Niederhörlen.  Unsere Festkapelle Lesachtaler Spatzen brachte mit den Festteilnehmern das Zelt zum schweben.

Auf der Jahreshauptversammlung am 10.02.1996 stellte sich Wehrführer Günter Röder nicht mehr zur Neuwahl da er die Altersgrenze von 60 Jahren erreicht hatte. Er wurde bei der Versammlung zum Ehrenwehrführer ernannt. Neuer gewählter Wehrführer wurde sein Sohn Claus-Jörg Röder.

Im Jahre 1997 wurden wir auch bezüglich eines „Wasserführenden Fahrzeuges“ fündig. So konnten wir nach längerer Suche bei der BF Solingen ein ehemaliges Tro TLF 16 erwerben.  Mit Unterstützung der Jagdgenossenschaft und dem Feuerwehrverein wurde ein gebrauchtes und gut erhaltenes Fahrzeug beschafft was auch heute noch seinen Dienst versieht. Auch die Beladung des Fahrzeuges wurde bis auf Kleinigkeiten vom Feuerwehrverein übernommen.

Im Jahr 1999 gab es einen Wechsel in der Führung der Feuerwehr Steffenberg. Neuer Gemeindebrandinspektor wurde Thilo Achenbach. Mit der Ruhe und Besonnenheit des neuen Gemeindebrandinspektors war es wieder möglich, dass Angelegenheiten der Feuerwehr von der Gemeinde ohne Misstrauen bearbeitet wurden.

Im Jahr 2003 feierten wir 25-jähriges Bestehen der Jugendfeuerwehr Niederhörlen verbunden mit einem Tag der offene Tür. Hier wurde auch der neu beschaffte Gerätewagen – Logistik in Dienst gestellt. Das Fahrzeug wurde abermals vom Feuerwehrverein beschafft und durch Eigenleistung zum Feuerwehrfahrzeug umgebaut. Notwendig wurde dieses Fahrzeug, da der Feuerwehr Niederhörlen die Übernahme der Gefahrstoffeinheit Steffenberg übertragen wurde und die hierfür beschafften Gerätschaften transportiert werden mussten. Weiterhin wurde auch das Schlauchlager der Feuerwehr Steffenberg zeitgleich in Niederhörlen angesiedelt.

Unser ehemaliges MTF wurde an die Gemeinde Steffenberg verkauft und versieht dort noch heute seinen Dienst als ELW Steffenberg.

In all den Jahren wurde immer stets darauf geachtet, dass der Ausbildungs-stand der Feuerkameradinnen und Kameraden nicht zu kurz kam.

Und so können wir heute bei einer Einsatzabteilung mit  30 Kameradinnen und Kameraden immerhin auf 17 Atemschutzträger wovon 10 auch den Lehrgang Atemschutz 2 haben im Einsatzfall zurückgreifen.

Die Jugendfeuerwehr Niederhörlen hat momentan einen Mitgliederstand von 12 Mädchen und Jungen, wobei hier eine deutliche Mehrzahl an weiblichen Mitgliedern ist.

Die Alters- und Ehrenabteilung hat einen Stand von 4 Feuerwehrkameraden.

Nicht zu vergessen in einer Chronik sind jedoch auch die Einsätze.

Hierbei nur die Größten in der Geschichte die uns bekannt sind:

1963 Feuer Fa. Schmidt und Weigel in Oberhörlen

1980. Zimmerbrand in Niederhörlen mit 1 Todesopfer

02.04.1984 Unwetterkatastrophe

01.03.1990 Hochwasser und Sturmschäden

15.07.1995 Lagerhallenbrand in Obereisenhausen

18.07.1995 Schreinereibrand in Niederhörlen

21.08.1995 Großbrand eines Bauernhofs in Angelburg-Gönnern

22.09.1995 Trinkwassernotstand

13.02.1996 Trinkwassernotstand 2 Wochen Trinkwasserpumpen von Hirzenhain

25.08.1996 Zimmerbrand Gartenstraße in Niederhörlen

12.09.1996 Scheunenbrand in Niederhörlen

06.08.1998 Schredderplatzbrand in Niedereisenhausen

23.12.2004 Verkehrsunfall Hörlestr. Niederhörlen

20.01.2005 Unwettereinsätze Niederhörlen

11.11.2005 Feuer Mühle Klein Quotshausen

17.09.2006 Unwettereinsätze in Nieder- und Obereisenhausen

19.12.2009 Geschossbrand Niedereisenhausen Quotshäuser Weg bei Temperaturen von –20 Grad Celcius

4./5.09.2011 Unwetter
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